Stinkende Köpfe und Kultur

Geht es Ihnen auch so? Wenn ich goutiere, wer wieder in den Aufsichtsrat eines Unternehmens gerutscht ist, taucht in meinem Kopf folgendes Bild auf: Eine Truppe alter Kämpen, die partout nicht loslassen, ihren Nachfolgern genüsslich auf die Finger klopfen und sich in der Kaffeepause der Aufsichtsratssitzung die Karten ihrer Mandate auf den Tisch knallen.

Ich weiß, ich bin ungerecht. Und ich kam zu dieser Story auch nur, weil mich in der jüngsten Zeit ein bestimmter Aufsichtsrat beschäftigt hat. Das ganze wie immer subjektiv und ohne Anspruch auf Wahrheit. In dieser Organisation gab es bis vor kurzem einen Aufsichtsratschef, den seine alte Firma in den Ruhestand geschickt hatte, Er wollte aber noch unbedingt zeigen, wie gut er ist. Und dabei natürlich keinen starken Chef unter – oder über? – sich dulden. Folglich zauberte er einen unbekannten Vorstandschef aus dem Ärmel, der eines nicht war, stark. Der hatte zu tun, was seine graue Aufsichtsrats-Eminenz wollte.

Was macht ein schwacher Chef? Richtig, er holt noch schwächere. Genau dies geschah, der Chef holte einen neuen operativen Vorstand, dessen Erfolg bei anderen Organisationen bisher – vornehm ausgedrückt – bescheiden ausfiel. Er konnte aber eines gut: Konzepte basteln und dem Aufsichtsrat präsentieren. Das hat alle Aufsichtsräte immer schwer beeindruckt. Auf einem anderen Blatt Papier steht, was von den bunten Bildern wirklich umgesetzt wurde. Diese Diskrepanz kennen wir alle. Reden ist nicht gleich Handeln, tausendfach erlebt.

Erwähnen sollte ich noch, dass es in dieser Organisation einen externen Rechtsanwalt gibt, der wie alle anderen Manager über das passende landsmannschaftliche Kolorit verfügt und Fäden im Hintergrund zog. Transparenz? Fehlanzeige! Hauptsache der Dialekt und der Stallgeruch passen.

Und die Mannschaft unter diesen Managern? Entwickelte sich so, wie es eine solche Mentalität erwarten lässt. Schläfrig, ohne frischen Wind und Ideen. Dümpelnd in einem Kokon von Wohlfühlgefühl bei gleichzeitig dürftigster Leistung. Trivial aber real: Sie handelte so, wie es das Management vorlebte und als kulturelles Muster in die ganze Organisation drückte.

Manchmal ist die Realität gerade im Sport grausam. Zeitverzögert erhielt der Verein die Quittung und ist mit dieser (Führungs-)Kultur abgestiegen. Ja, Verein, denn die vorgestellte Organisation ist ein Verein, mein geliebter VfB Stuttgart, der ab August in der 2. Liga kickt. Ich wollte mit dem für mich schmerzhaften Beispiel nur aufzeigen, wie sich unfähige bzw. tunnelblickende Führungskräfte auf die Leistung der Spieler auswirken.

Unternehmen, die von oben stinken, können wir verlassen. Das geht bei einem Verein leider nicht. Der ist im Herz. Ich habe es versucht, mein inneres Drama zu beenden und einen neuen Verein zu finden. Misslungen. Und eins war dabei immer klar. Niemals Bayern!!! Jetzt hoffe ich auf ein neues Management von außen, das den dicken schwäbischen Mief wegpustet. Aber Kulturen sind bekanntlich zäh.