Digital gesegnet sei die Arbeit 4.0

Was die digitalen Segnungen für unsere Arbeitswelt bedeuten, wird derzeit überall breit bespielt. Welche Jobs fallen weg, welche entstehen? Und arbeiten wir künftig im freien Fluss – überall und nirgends, ständig zwischen Arbeit und Leben balancierend?

Ich würde übertreiben, wenn ich sage, dass mich der aktuelle Diskurs um Arbeiten 4.0 vom Hocker reißt. Nein, mich interessiert mehr, ob wir uns in nicht allzu ferner Zeit dem Rhythmus der digitalen Maschinen anzupassen haben, sie fortan unser menschliches Tempo bestimmen? Wir in der Interaktion mit der digitalen nur noch die zweite Geige spielen und uns die Algorithmen der Software den Arbeitstakt vorgeben. Gesteuert von einer digital-künstlichen Intelligenz, die der menschlichen in vielem (nicht allem) bald weit überlegen ist, weil sie schlicht mehr Rechenkapazität und Speicher hat. Programmcodes schlagen Hormone und neuronale Netzwerke.

Fragt sich dann natürlich, welches Subjekt (oder Objekt?) in der schönen neuen Arbeitswelt entscheidet, welchen Part wir Menschen und welchen binäre Codes einnehmen? Wer genau definiert die Beziehung und das Zusammenspiel zwischen digitaler Welt und analogen Menschen? Sind es – das wäre aus der alten Welt heraus logisch gedacht – die Kapitalgeber, die Eigentümer der digitalen und der künstlich-intelligenten Maschinen samt ihren Algorithmen? Oder gibt es auch in der neuen Welt noch so etwas wie den Gewerkschafts-Betriebsrat-Betonmischer, der mit seiner industriellen Grobmechanik der digitalen Welle stand hält?

Vielleicht entsteht auch eine neue soziale Arbeitsbewegung. In der sich Menschen für selbstbestimmtes Arbeiten organisieren  und einen Diskurs um einen neuen Begriff von Arbeit eröffnen. Der nicht mehr Erwerbsarbeit buchstabiert, sondern endlich jedwede schöpferische Tätigkeit für die Gesellschaft einbezieht. Sei es als Trainer einer Jugendmannschaft oder als Diskursorganisator in der Stammkneipe.  Ganz zu schweigen von der Kindererziehung.

Auf den zweiten Blick nicht überraschend. Die Davoser Wirtschaftselite diskutierte heuer über ein bedingungsloses Grundeinkommen. Weil uns die Arbeit ausgehen kann und viele auf dem Weg aus der alten in die neue Arbeitswelt  verschütt gehen: lost in digital. Diese gelte es bald zu alimentieren. Woher? Ganz einfach: Die künstlich Intelligenten und digitalen Großmühlen schaufeln das von ihnen erwirtschaftete Geld in die Gesellschaft. Damit wäre Marx’ Theorie von der Mehrwert erzeugenden Lohnarbeit endgültig ad acta gelegt.

Nur gilt auch hier: Wer regelt, wie das von digitalen Erzeugte (um)verteilt wird? Unsere Freunde aus dem sich um die eigene Achse drehenden Politbetrieb in Berlin, Brüssel oder anderswo? Wohl kaum! Stattdessen die Vertreter des Kapitals, die fast immer viel schneller kapieren, was abgeht. Nur fragt sich dann, wie viel sie von ihren Einnahmen als Alimente opfern wollen? Oder doch eine irgendwie geartete Zivilgesellschaft, die in der Abenddämmerung der alten Arbeitsgesellschaft das Licht der Welt erblickt.  Ein Bündnis aus jungen Menschen mit ihrem tiefen Bedürfnis nach Work-Life-Balance. Und den Älteren, die langsam begriffen haben, wie der Hase gelaufen ist und dies auf ihre alten Tage hinterfragen? Übrigens bin ich alles andere als fortschrittsfeindlich, mit solchen Stempeln sind einige ja gleich bei der Hand. Mir geht es nur um die schlichte und gleichwohl philosophische Frage nach dem guten Leben und dazu gehören für mich vor allem erfüllende soziale Beziehungen.