Einmal Kloster und zurück?

In unserer begrifflichen Welt, die zunehmend mit Anglizismen durchsetzt ist, gibt es seit geraumer Zeit nun auch das schöne Wort Retreat. Rückzug (in was: das Innere). In meiner bildhaften Fantasie stelle ich mir, sobald ich den Begriff höre, einen leeren Akku vor. Unser erschöpftes, müdes Hirn, unser matter Körper. Da die Steckdose nichts mehr her gibt, wird das Kabel gezogen und in eine andere Steckdose gestöpselt. Auf der ist genug Saft, um mich wieder aufzuladen.

Eine solche Steckdose ist beispielsweise der Aufenthalt in einem Kloster, wie dem sehr empfehlenswerten Benediktushof in der Nähe von Würzburg, den ich vor kurzem besucht habe. Zen for Leadership, so der bombastische Titel und mir war zutiefst bewusst, dass ich hier voll en vogue bin. Im Silicon Valley- dem Tal, in dem die neue Welt entworfen wird – ist es mittlerweile für hohe Manager schick, Buddhist zu sein.

Was sie nicht davon abhält, ihre digitalen Krakenarme zu nutzen, um Menschen zu Datensätzen zu mutieren. Weniger ist mehr? im Gegenteil: Je mehr Daten, umso besser (verkäuflich). Manche sagen denn auch, diese Verbindung mit dem hehren Buddhismus, dem Gewinnmaximierung fremd ist, sei die nächste perfide Form des Kapitalismus. Der sich auch esoterische Ansätze zunutze mache und integriere.

Mir ging es aber schlicht nur darum, in meinem bescheidenen individuellen Menschsein neue Erfahrungen zu sammeln. Die mir vielleicht helfen, in unserem effizienten und teilweise entmenschlichten Wirtschaftsmechanismus achtsam und heiter-gelassen einigermaßen gut zu (über-)leben. Um sechs Uhr morgens zu meditieren, nur zu atmen und die aufkommenden Gedanken vorbeiziehen zu lassen – das ist wirklich wohltuend.

Mehr auf den Körper zu achten, statt nur im Kopf zu sein. Oder zu schweigen und nicht ständig die üblichen Fragen nach meinem Beruf, meinem Studium, meiner Firma oder meiner Familie beantworten zu müssen. Nach dem Motto, oh der ist größer als meiner. Keine auf Namensschilder-Gaffer, denen man immer ansieht, wie sie innerlich checken, ob es sich lohnen könnte, mit dieser Person ins Gespräch zu kommen oder ihn besser links liegen zu lassen.

Sicherlich werde ich jetzt kein Buddhist. Das würde nicht zu mir passen. Der Aufklärung verpflichtet und dann in esoterische Welten abzutauchen? Nee, oder. Aber ich bin eklektizistisch veranlagt und nehme einiges mit, was ich im Alltag künftig praktizieren werde.