Hybride Organisationswelten

Früher war bekanntlich alles viel  besser. Da waren Organisationen noch fein säuberlich geordnet – nach oben und unten, Bereich und Abteilung, x und y. Tituliert wurde das ganze Konstrukt liebevoll entweder als Linien- oder als Aufbau- und Ablauforganisation. Eine geregelte Welt also, in der alles akribisch genau in Prozesshandbüchern und ähnlichen Werken dokumentiert war. Zu schade nur, dass die sagenumwobene digitale Transformation alles über den Haufen wirft. Denn In der neu entstehenden Welt bleibe kein Organisationsstein mehr auf dem anderen, prophezeien uns die digitalen Gurus, die es zuhauf gibt.

Oder bleibt doch einiges so, wie es ist? Wenn sich der Pulverdampf der revolutionären Verbalgeschosse gelegt hat, erhalten wir wieder klare Sicht auf unsere Organisationswelten. Und werden dann vielleicht feststellen, dass zwar durchaus neue Strukturen entstehen bzw. entstanden sind – von der kleinen Ausgründung einer innovativen Mannschaft über Teams, die ihren Chef selbst wählen bis hin zu Co-Working Spaces, in denen Mitarbeiter mit Menschen aus anderen Organisationen vernetzen.

Aber ist das als durchgängig und unsere neue Realität? Da setze ich ein dickes Fragezeichen.  Vielmehr bewegen wir uns hin zu hybriden Organisationswelten, in denen tayloristische Elemente aus der alten Industriewelt neben sich selbst steuernden Teams existieren. Hier entsteht folglich eine interessante Mischpoke und dass dies klar ist: ein Widerspruch in sich sind diese Hybride nicht. Vielmehr sind in unserer gegenwärtigen Arbeitswelt die Muster längst vergangen geglaubter Wirtschaftsepochen immer noch vorhanden Vielleicht nur noch rudimentär, aber jederzeit spürbar und sei es auch nur symbolisch, wie beispielsweise die klare Regelung, wie groß die Büros für Führungskräfte der verschiedenen Hierarchieebenen zu sein haben. Fragen Sie mal in Großkonzernen nach  Willkommen in den  organisatorischen Parallelwelten der Industrie-, der  Wissens- und der Kreativarbeit.

Umso interessanter wird in diesen spannenden und ungleichzeitigen als auch unüberschaubaren Organisationswelten bewegen. Sicher und fest aufzutreten, ist in dieser hybriden Welt nicht mehr. Viel passender reden wir deshalber besser von unsicherem, tastendem Voranschreiten, von experimentellem Umgang mit diesen hybriden Formen, bei denen wir nie genau wissen, wie die Organisation gerade getaktet ist und in welcher Welt sie sich aktuell befindet. Übrigens ist genau das auch ein Ergebnis der Befragung des Forums Gute Führung zu den Eigenschaften, die gute Führung künftig ausmacht: Umgang mit Ungewissheit und ein Abgesang an feste Planung und Wege.

Wer dies alles nicht ab kann und sich zurück zu Muttis Organisationszeiten sehnt, in der alles an seinem Platz lag, keine Sorge. In fast jedem Unternehmen wird es genügend Weggefährten geben, die sich jetzt in ihren Silos verbunkern und hoffen, der Kelch der neuen digitalen  Welt möge bitte an ihnen vorbeigehen. Die auf den guten alten Motor setzen und hybride Antriebe verabscheuen. Fragt sich nur, wo künftig der Brennstoff herkommt, der uns nach vorne bewegt: Sind es eher fossile Materialien oder aber spannungsreiche neue Gemische mit dem Malus, dass wir nicht wissen, wie sie wirken.