Betonmischer – die Wirklichkeit der Arbeitspolitik?

Vor kurzem hatte ich das Vergnügen, den Kongress „Das demokratische Unternehmen“ zu besuchen. Verbunden mit der Hoffnung, hier würde der neueste Stand progressiver Teilhabe in Organisationen diskutiert werden. Spätestens mit der  Key-Note von Andrea Nahles, ihres Zeichens Bundesministerin, wurde ich eines besseren belehrt.

In Zeiten eines steigenden digitalen Wandels buchstabiert die stramme Sozialdemokratin ein demokratisches Unternehmen schlicht nach wie vor in der Logik der alten Industriegesellschaft. Die Schlagwörter sind die gleichen, die wir aus der SPD seit Dekaden hören:  Mitbestimmung,  starke  Betriebsräte, soziale Sicherheit. Schutz der Ausgebeuteten.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Unsere Wirtschaft produziert natürlich soziale Ungerechtigkeiten, die es so weit wie möglich abzuschwächen gilt. D’accord. Nur hilft uns das in der sich immer stärkeren Beschleunigung der globalisierten Märkte nicht weiter, im Gegenteil. Hier ist elementar Anderes gefragt als die anstehenden Herausforderungen in der alten Denklogik schwerer kollektiver Machtapparate zu lösen. Und weiter zu regulieren, anstatt Raum zu lassen für Experimente oder auch mal Grauzonen zuzulassen, damit neues entstehen kann..

Natürlich wird es so sein, dass die Betondenker in ihrem Bemühen auf Dauer nicht damit durchkommen werden, ihre Machtpfründe und die ihrer verbündeten Apparate zu retten. Aber das wird dauern und verhindert bis dahin ein freies und offenes Zugehen auf das aktuelle Geschehen in der digitalisierten Welt.

So stehen bis auf weiteres die alten Mitbestimmungsblöcke gegen das Bedürfnis von Menschen, individuellere Lösungen für ihre Arbeit (und ihr Privatleben) im Rahmen ihrer Lebenssituation zu finden.  Oder neue Formen der Partizipation, wie Open Innovation, sich selbst organisierende Netzwerke und unternehmensübergreifende Netzwerke auf Basis eines digitalen Rückgrats.

Denn eigentlich hat sich das Spiel hat gedreht: Selbstbewusste Menschen entscheiden nun, wo und wie sie arbeiten möchten.  Je mehr sie in Raster und Apparate gedrängt werden, umso schneller steigen sie aus. Mit dem klaren Wissen, dass ihr Verständnis und ihre Art zu arbeiten sich wunderbar deckt mit den Anforderungen der digitalen Wirtschaft. Wissensarbeit will fließen, sich vernetzen, und nicht reguliert über Machtapparate organisiert werden.

Arbeit ist ein prägendes Element unseres Lebens und gibt uns im Guten viel Energie und Selbstbewusstsein. Wenn wir gerne zur Arbeit gehen, sprudeln wir, sind wir kreativ, treiben Dinge voran. Das umgekehrte gilt für das Gegenteil. Zu hoffen bleibt daher, dass uns die alten Lager nicht kaputt machen mit ihrer Regulierungswut und ihren nicht enden wollenden Versuchen, Individuen in kollektiven Blöcken platt zu machen.

PS: Übrigens hat der Kongress auch gezeigt, dass der Begriff Demokratie im Kontext von Unternehmen nicht passt. Er kommt aus dem politischen Raum und ist mit bestimmten Regularien verknüpft. Für Unternehmen ist es in meinen Augen sinnvoller, von Teilhabe oder Partizipation zu sprechen.