Das Gejammer der Medien oder: Von Kundenbindung keine Spur

Wie lange hören wir jetzt schon diese larmoyante Platte vieler Verlage, dass ihnen durch das Web das Geschäft weggebrochen sei.  Seit Jahren – und genauso lange Flickschustern sie an Lösungen herum, den negativen Trend zu stoppen. Oft geht es ‚nur’ darum, den Ausfall an gedruckten Anzeigen über zu bezahlende Angebote im Internet wettzumachen. Entweder der Leser zahlt für Inhalte hinter dem Gratisangebot oder Werbekunden für Online-Banner, die von den Verlagen verheißungsvoll als zielgruppengenau verkauft werden. Beides funktioniert leidlich, weil die vermaledeiten Leser, sorry: User im Web nicht für Inhalt bezahlen. Und bei Display-Werbung klickt mittlerweile nur jeder tausendste Besucher der Website auf die Banner. Das lässt sich Anzeigenkunden nicht gut verkaufen.

Kein Wunder, dass Verlage verzweifelt bemüht sind, ihr Geschäft zu retten. Denken wir an Springer, der sich mit der Riesenkrake Google angelegt hat, welche Inhalte in der Suche ausgeliefert werden dürfen und dann nach zwei Wochen sang- und klanglos eingeknickt ist, weil der Verkehr auf ihren Webseiten dramatisch abnahm. Ein anderer Ausweg schienen Apps zu sein, über die Leser dann auf einem Smartphone oder Tablet die Inhalte einer Zeitung digital lesen. Der Bringer ist das nicht, die Zahl der Leser eher bescheiden und daher offen, ob die Digitalisierung analoger Medien über Apps profitabel ist?

Und vor kurzem las ich in einem FAZ-Beitrag, was der Chef des Ringier-Verlags vorhat, um die Krise der Verlage abzuwenden. So denkt er u.a. über kreative Formen gesponserter Inhalte nach. Meint er damit, dass Inhaltelieferanten zu zahlen haben, wenn ihr Beitrag auf einem Portal oder in einem Blog erscheint? Gibt es schon längst, sowohl bei Profibloggern oder diversen Online-Medien. Wie lange das trägt , bis die Leser abspringen?

Dagegen nehme ich so gut wie nie wahr, was Verlage tun, um Leser zu binden und zu gewinnen. Wir reden seit einigen Jahren – zu Recht – vom Megatrend Kundenorientierung. Aber in Verlagen? Im besten Fall werden die Anzeigenschalter adressiert.  Was die Leser interessiert, da herrscht Sendepause. So zäumen die Verlage ihre Medien von der falschen Seite auf. Der Leser wird gegen die Macht der optimierten, verschlankten Prozesse und Kosten zu einer vernachlässigbaren Größe. Ihn zu unterhalten, ihn in dieser so komplexen Welt zu informieren, spannende Storys zu stricken und profunden Hintergrund zu liefern, scheint in den Köpfen der Verlagsmanager nicht stattzufinden. Binnen- statt Kundensicht, die Interessen des Lesers finden in der Verlagswelt kaum statt. Das aber setzt die Spirale nach unten erst richtig in Gang.

Übrigens soll es Verlage geben, die mit ihren guten alten Zeitungen und Zeitschriften Geld verdienen. Und es gibt nebenbei bemerkt auch funktionierende Online-Medien, die sich rein über Leser finanzieren und völlig werbefrei sind. Gute Inhalte finden immer Leser, die dafür bezahlen. Und dadurch gleichzeitig Anzeigenkunden, die wissen, dass nur das Investment in gute Medien Früchte trägt.