Kein großes Spiel: Pingpong über Bande

Was Organisationen den in ihnen lebenden Menschen manchmal antun, ist manchmal alles andere als vergnüglich. Beispiel gefällig? Vor kurzem erzählte mir ein Freund, dass er wieder einmal zwischen die Räder geraten war, ohne dass er dafür etwas tun musste. Als Spielball zwischen verschiedenen Akteuren, von denen jeder sein eigenes Süppchen kochte.

Was war passiert? Eine wichtige Person, nennen wir sie A, und zumindest in der formalen Hierarchie über meinem Freund stehend, berichtete von einem Treffen mit einer dritten Person B (ebenfalls wichtig), in dem es direkt um den Aufgabenbereich meines Freundes ging. Etwas befremdlich über den Diskurs der beiden Akteure traf mein Freund dann einige Zeit später B, der sich bei ihm entschuldigte, dass das Thema, das er mit A diskutiert hatte, mittlerweile breitere Wellen geschlagen hatte, von denen mein Freund – obwohl es ihn betraf – noch gar nichts mitbekommen hatte. So musste B gegenüber C klarstellen, um was es bei seinem Gespräch mit A nicht gegangen wäre. Genaueres wusste mein Freund aber nicht.

B wiederum schilderte meinem Freund bei einem gemeinsamen Meeting den Verlauf seines Gesprächs mit A ganz anders, als dies A getan hatte. Und wie C in den Kommunikationskreislauf hineinkam und wer ihn informiert hatte, blieb meinem Freund komplett verborgen.

Ich vermute, das kennen Sie alles. Und auch, dass solche Spiele über Bande gespielt, hinzunehmen sind, da ein Teil des Gehalts, das wir beziehen, Schmerzensgeld ist. Trotzdem fragte mich mein  Freund, wie er mit dieser Situation umgehen könne.

Es gibt oft nicht nur einen Weg ins gelobte Land. In dem Fall gab es aus meiner Sicht zwei machbare Wege: Der erste ist der einfache, aber gleichwohl schwierige Weg, alles zu ignorieren. Mit stoischem Gemüt solche Spielchen abhaken, wohlwissend, dass jeder der Beteiligten seine eigene Wirklichkeit konstruiert und der wahre Kern – so es ihn überhaupt gibt – verborgen bleibt. Was Halt biete, wäre dann ein Sich-Verlassen auf das eigene Bauchgefühl, das uns erahnen lässt, wie es gelaufen sein könnte.

Ein zweiter, schwieriger und offener, aber in jedem Fall direkter Weg wäre es,  alle Beteiligten an einen Tisch zu bieten und die Pingpong-Kommunikation gemeinsam zu rekonstruieren. Klar, gute Spieler behalten hier die Ruhe und verziehen keine Miene.

Oder doch? Hierzu ein Zitat von Gerhard Roth aus dem aktuellen Buch „Kann das Gehirn das Gehirn verstehen“, das ich kürzlich gelesen habe: „Was ihm (dem Gegenüber) nicht zugänglich ist sind seine tiefen Motive und Persönlichkeitsstrukturen. Darüber hat er keine Kontrolle. Ebenso wenig über wesentliche Teile seiner Mimik, seiner Gestik, seiner Körperhaltung. Ich kann natürlich nicht in sein Gehirn schauen, aber ich weiß einiges über das limbische System. Dieses Zentrum ist sprachlich nicht zugänglich, sendet aber deutliche Signale über die nichtsprachliche Kommunikation aus … Da geht es um 300 bis 500 Millisekunden, in denen die Mimik nicht lügen kann.“

Ist das beruhigend? Bringt das meinen Freund wirklich weiter. Sieht er überhaupt diese entlarvenden Mimiken in diesem kleinsten Zeitraum. Denn eine slow motion hat er nicht. Ganz abgesehen, was es ihm bringt, wenn er über diese kleinen, nicht steuerbaren Gesten dem Pingpong näher kommt. Außer persönlicher Genugtuung nichts gewesen?